Das Jahr neigt sich dem Ende zu und plötzlich sollen alle unerledigten Dinge noch schnell erledigt werden. To-do-Listen werden länger statt kürzer. Die wenigsten Aufgaben sind wirklich dringend – doch innerlich fühlt es sich an, als würde alles gleichzeitig brennen. Das schlechte Gewissen meldet sich, der Druck steigt. Und dann kommen auch noch Geschenke, Termine, Erwartungen. Das Stresslevel klettert weiter nach oben.
Warum passiert das eigentlich?
Vielleicht, weil das Jahresende wie ein innerer Spiegel wirkt. Eine stille Bilanz:
Was habe ich geschafft? Was habe ich nicht geschafft? War ich genug?
Statt diesen Fragen ruhig zu begegnen, versuchen viele von uns, sie mit Aktivität zu übertönen. Hauptsache beschäftigt. Hauptsache in Bewegung. Bloß keine Lücke entstehen lassen, in der man fühlen müsste.
Gleichzeitig sehen wir überall Bilder von perfekten Weihnachten: glückliche Familien, Harmonie, Lichterglanz. Ein Ideal, das oft mit der Realität kollidiert – und genau dadurch zusätzlichen Druck erzeugt.
Doch Stress entsteht nicht durch volle Kalender.
Er entsteht durch das, was wir darüber denken.
Durch innere Ansprüche. Durch Vergleiche. Durch das Gefühl, funktionieren zu müssen, statt einfach sein zu dürfen.
Dabei sehnt sich unser Nervensystem gerade jetzt – in der dunklen, stillen Jahreszeit – nach genau dem Gegenteil: nach Ruhe, Rückzug, Langsamkeit. Doch wir übergehen dieses Bedürfnis Jahr für Jahr.
Vielleicht bedeutet Vorbereitung auf Weihnachten nicht, noch mehr zu erledigen.
Vielleicht bedeutet es, weniger zu wollen.
Weniger Termine. Weniger Perfektion. Weniger Müssen.
Dafür mehr Atem. Mehr Präsenz. Mehr Verbundenheit – mit uns selbst und mit den Menschen, die uns wirklich wichtig sind.
Manchmal reicht ein bewusster Atemzug.
Ein Moment der Stille.
Ein Innehalten im Körper.
Mehr braucht es oft nicht, um aus dem Stress wieder ins Leben zurückzufinden.
Vielleicht ist diese Vorweihnachtszeit keine Aufforderung, schneller zu werden –
sondern ehrlicher.
Nicht lauter – sondern tiefer.
🖤 Atme. Spüre. Lass los.
